Senioren im Straßenverkehr: Eine Selbstverständlichkeit oder doch eine latente Gefahr?

„Frau am Steuer, Ungeheuer!“ Es gibt ganz unterschiedliche Redensarten und Situationen, in denen sich der ein oder andere mit seinen Vorurteilen gegenüber bestimmten Geschlechtern oder Berufsgruppen im Straßenverkehr Luft macht. Doch wie sieht es mit Senioren aus? Wie verkehrstüchtig ist die Genartion 70 plus? Tatsächlich wird immer wieder darüber diskutiert, ob Hochbetagte, die noch einen Wagen steuern, zur Gefahr werden.

Versicherer legen Zahlen vor:

Eine Debatte, in die, neben Politikern und Gesetzgebung, auch Versicherer und Medien zunehmend involviert scheinen. So verweist (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fahreignungstest-fuer-rentner-versicherer-fordern-pruefung-fuer-senioren-a-1130370.html) das Polit-Magazin „Spiegel Online“ darauf, dass Fahranfänger, d i e Hochrisikogruppe von einst, in den Unfallstatistiken längst von Senioren verdrängt würden. Doch müssen damit Nachprüfungen für Senioren und / oder gar der Führerscheinentzug ab einem gewissen Alter wirklich Realität werden?

Welche Einschränkungen bringt das Alter mit sich?

Nun, sicherlich steht ohne Frage, dass das Altern per se mit bestimmten Leistungseinschränkungen verknüpft ist. Die können auch von jüngeren Menschen in so genannten Alterssimulationsanzügen erlebt werden. Oftmals ein Highlight auf Seniorenmessen, mit dem pflegende Angehörige, aber auch Menschen, die noch jung und fit sind, in die Rolle eines Seniors gedrängt werden. Hierbei werden, durch den Anzug, die Gelenke künstlich versteift. Zudem sind Gesichtsfeld und Kopfbeweglichkeit eingeschränkt. Die Orientierung fällt, aufgrund einer provozierten Eintrübung der Linse und der künstlich erzeugten Schwerhörigkeit, plötzlich schwer. Eine Demonstration, mit der auch Pflegekräfte für ihren Beruf sensibilisiert werden.
Wie fit also kann ein Senior sein? Und wie lange kann man(n), bzw. Frau, als älterer Mensch aktiv am Straßenverkehr teilnehmen?

Was sagt die Polizei?

Tatsächlich greifen die Spiegel-Autoren eine Debatte auf, die bereits seit Jahren – und das reichlich kontrovers – geführt wird. So geht (http://www.polizei-dein-partner.de/themen/verkehrssicherheit/senioren-unterwegs/detailansicht-senioren-unterwegs/artikel/senioren-sicher-am-steuer.html) die Gewerkschaft der Polizei davon aus, dass Senioren weitgehend sicher am Steuer unterwegs sind. Das liege auch daran, dass die nachlassende Leistungsfähigkeit durch Erfahrung und Umsicht kompensiert wird.
Denn ohne Frage lassen sich nachlassende Sehkraft und verlangsamte Reaktionszeiten durch Sehhilfen bzw. angepasste Geschwindigkeiten relativieren!

Kommen nun dennoch die Pflichtprüfungen?

Allerdings sieht auch die Polizei Senioren in der Pflicht. Anlaufstelle Nummer 1 sei der Arzt, von dem eine Verkehrstüchtigkeit attestiert oder auch der Rat, den Wagen zeitweise oder dauerhaft stehen zu lassen, erteilt werde. Doch kann diese Eigenverantwortung und Freiwilligkeit auf Dauer ausreichen? Schließlich orakelte (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/senioren-am-steuer-die-gefahr-faehrt-mit/7117226.html) „Der Tagesspiegel“ bereits vor Jahren, dass, wenn Senioren im eigenen Wagen unterwegs sind, auch die Gefahr mit von der Partie ist.
Hier, aber auch beim Spiegel, verweist man auf Studien, denen zufolge die Unfallhäufigkeit aber einem bestimmten Alter überproportional zunimmt. Steht also zu befürchten, dass sich Senioren in der Vergangenheit häufig überschätzt haben?

Ein Blick über die Grenzen:

Tatsächlich stellen Eignungsprüfungen für ältere Autofahrer in einigen Nachbarländern längst eine Realität dar. Doch hierzulande scheinen viele skeptisch. Darunter viele Politiker, die lieber auf freiwillige Checks setzen. Auch der ADAC geht (https://www.adac.de/_mmm/pdf/rv_aeltere_kraftfahrer_guter_ruf_faltblatt_0117_287194.pdf) davon aus, dass ältere Kraftfahrer weit besser als ihr Ruf sind. Hier setzt man auf die langjährige Fahrpraxis und den besonnen Fahrstil von Senioren und weiß, dass auch Verkehrspsychologen verpflichtende Tests ablehnen.

Fahren Frauen besser als Männer?

Allerdings geht die Bundesanstalt für Straßenwesen davon aus, dass Frauen weitaus selbstkritischer unterwegs sind. Offenbar scheinen sich also gerade männliche Verkehrsteilnehmer mit ihrem Alter und ihrer nachlassenden Leistungsfähigkeit schwer zu tun. Ein durchaus interessanter Aspekt, da auch in der Riege der Fahranfänger das größte Gefahrenpotential bei jungen Männern entdeckt (http://www.deutsche-verkehrswacht.de/home/bmvi-projekte/jugendliche/unfallstatistik-junge-fahrer.html) wurde.

Ein Fazit:

Natürlich kann niemand prognostizieren, wohin uns in Zukunft der Weg führt. Allerdings erscheinen Pflichttermine und Einschränkungen für Senioren im Straßenverkehr weder wahrscheinlich noch nötig. Im Umkehrschluss sollten ältere Menschen ihre körperlichen Beeinträchtigungen und / oder mögliche Einschränkungen durch Medikamente jedoch ernst nehmen. Das übrigens auch als Fußgänger oder Radfahrer.  Zudem können – das trifft freilich auch auf jüngere Verkehrsteilnehmer zu – Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Diabetes die Fahrtüchtigkeit einschränken.

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